GRÜNDUNG

Gründung der Stiftung 2011

Gründung der Stiftung UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Lorsch am 7. Februar 2011:
stehend von links: Michael Heuß, Bürgermeister Klaus Jäger, Landrat Mathias Wilkes, Bruno Eichhorn, Ernst-Ludwig Drayß, (sitzend von links): Walter Konrad (Volksbank Darmstadt), Dr. Peter Müller (GGEW Bensheim), Dr. Norbert Bräuer (Vorsitzender der Stiftung)

 

Gedanken zur Stiftung UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Lorsch
 
Gründungsversammlung der Stiftung UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Lorsch

Ansprache am 7. Februar 2011, 19.00 Uhr, im Nibelungensaal im Alten Rathaus Lorsch von Dr. Hermann Schefers

 

Im zwölften Jahre der Herrschaft unseres Herrn Königs Pippim, am 12. Juli 764,  so ist im Lorscher Codex nachzulesen, übergaben Williswinda und ihr Sohn, Graf Cancor, in Hahnheim,  kurz darauf auch in und bei Mainz Grundbesitz an die von ihr in Lorsch erbaute Kirche der Heiligen Petrus und Paulus. Kurz darauf übereigneten sie diese Gründung ihrem Verwandten, dem Metzer Erzbischof Chrodegang, auf dass dieser dort eine Mönchsgemeinschaft einsetze. Chrodegang verschaffte dem Kloster 765 die Reliquien des Heiligen Nazarius, gründete das Kloster und setzte seinen Bruder Gundeland als Abt ein,  der 772 die Stiftung dem Herrscher antrug, um ihr die dauerhafte Unterstützung des Königs zu sichern, der sich mit dem Privileg des Königsschutzes, dem der Immunität und dem der freien Abtswahl und bedeutenden Schenkungen erkenntlich zeigte.

Diese Geschichte, die Ihnen allen, meine sehr verehrte Damen und Herren, gleichsam in Fleisch und Blut übergegangen ist, ist nichts anderes als die Geschichte der Anfänge einer erfolgreichen privaten Stiftung: Sie dient in erster Linie dem immerwährenden Andenken an die Stifter und Zustifter, sie bekommt eine Aufgabe und das dafür notwendige Personal, sie bekommt eine für die Erfüllung notwendige fianzielle Ausstattung und schließlich eine Verfassung, die ihr die Unabhängigkeit von örtlichen und regionalen Machthabern, Schutz durch die politische Spitze sichert und schließlich auch noch die Möglichkeit, sich selbst zu verwalten.

An dieser Stiftung, meine sehr verehrten Damen und Herren, hätte selbst die Stiftungsaufsicht im Regierungspräsidium Darmstadt ihre Freude - und wir sehen, dass die Geschichte einer sich entwickelnden und von Anfang an prosperierenden Rechts- und Organisationsform durchaus Züge eines Rechtsgeschäfts aufweist, das heute noch ganz ähnlich erfolgreich getätigt werden könnte. 

Das Kloster Lorsch hat im achten Jahrhundert innerhalb von acht Jahren die Rechtsform einer - wir würden heute sagen: Kapitalertragsstiftung, gefunden, die sehr lange gehalten und sich prächtig entfaltet hat: immerhin 468 Jahre in ungeschmälerter Form. 

Fast 1250 Jahre später versammeln wir uns erneut, um eine Stiftung aus der Taufe zu heben, die den Namen des Klosters Lorsch weitertragen möchte - anders als damals jedoch, um eine dringend notwendige Reform zu flankieren, die Reform einer durch politische Kompromisse, Mutlosigkeit und Sparzwänge und kaum über Legislaturperioden hinausreichende politische Horizonte so vieler Entscheidungsträger fast gescheiterten Vergegenwärtigung dieses so bedeutenden Ortes, der seit genau 20 Jahren zudem zum kulturellen Erbe der Menschheit gezählt werden darf. 

Inwieweit wir die Stiftungen von 764 und 2011 einmal in den Annalen des Klosters als vergleichbare historische Ereignisse feiern dörfen, bleibt abzuwarten. Noch wissen wir ja nicht, was aus ihr wird - wird es gelingen, wie damals, die Mächtigen der Region zu großen Zuwendungen zu wegen, ja, die Zentralmacht des Landes selbst?

Einstweilen - und das an sich ist ja schon ein nobles Ziel - wird diese Stiftung als eine Rechtsform bürgerlichen Engagements als ein Monument bürgerlicher Bereitschaft dauerhaften kulturellen Engagements für einen Ort zu würdigen sein, der deutlich mehr ist als ein zu pflegendes Denkmal, eine zu mühende Wiese oder ein irgendwie zu erhaltendes Museum.

Hoffnungsvoll stimmt das Investitionsprogramm, das nun ausgerechnet in Zeiten einer der größten globalen ökonomischen Krisen der letzten Jahrzehnte seine Segnungen über die deutschen Welterbestätten ausschüttet, Geld, das zur Schaffung neuer Infrastrukturen, das Vorhandene ergänzender Einrichtungen, zur Verbesserung der Veranschaulichung vergangener Bedeutung ausgegeben werden soll, die sich bekanntlich in drei großen thematischen Komplexen fassen läßt: 

1. in der Bedeutung des Bau- und Bodendenkmals Kloster Lorsch

2. in der Bedeutung des Klosters als Zentrum des Geistes und des Wissens

3. und in der Bedeutung des Klosters als Zentrum einer gewaltigen Grundherrschaft. 

Aus diesen thematischen Komplexen resultieren die Konturen der Weiterentwicklung der Welterbestätte: 

1. in der verantwortungsvollen Pflege, dem Erhalt und der wissenschaftlichen Erforschung der einstigen Anlage des Klosters

2. in der Erschließung seiner geistigen Reichtümer in Form eines möglichst breit angelegten Zugangs zum handschriftlichen Erbe der Abtei

3. und in der Veranschaulichung der sozio-ökonomischen Bedingungen ihrer historischen Existenz. 

Sie sehen, meine sehr verehrten Damen und Herren, welch kapitale Bedeutung stets der Vermittlung zukommt, die eigentlich über allem steht, was wir hier tun und an neuen Werten zu schaffen im Begriff sind.

Dabei sehen wir den Umstand der geringen Erhaltung des Baudenkmals und Weltkulturdenkmals Kloster Lorsch seit vielen Jahren eher als Herausforderung denn als Manko: Er ermutigt zu eher ungewöhnlichen Auseinandersetzungen mit fundamentalen kulturellen Phänomenen: dem Phänomen klösterlichen Lebens im transkulturellen und interreligiösen Diskurs, dem Anspruch, einer Kultur des Friedens über die Theorie und Praxis aktiv werdender Welterbestätten im Sinne von Orten mit einem eigenen Bildungsauftrag. Und schließlich: dem Phänomen memorialer Kultur, dem also, was uns auch morgen mit dem Gestern verbindet, den Kulturtechniken im Dienste einer individuellen wie auch gesellschaftlich-kollektiven Erinnerungskultur, deren Erkundung uns Umschau halten lässt nach den Lösungen anderer Länder, Kulturen und Religionen.

Was hier, in Lorsch, an Aufgaben vor uns steht, ist darum sehr viel mehr als die Frage nach weichen oder harten Standortfaktoren, Möglichkeiten der verbesserten Erlebbarkeit des Klosters, Freilichtmuseum ja oder nein; es ist auch mehr als eine Denkmalfachbehörde, wie sie beispielsweise die hessische Schlösserverwaltung darstellt, leisten kann. Es sind Aufgaben, die nur befriedigend zu lösen sind, wenn wir weit vernetzt arbeiten und denken, auf allen Ebenen gesellschaftlichen Lebens Engagement zu wecken vermögen, und wenn wir es gemeinsam schaffen, diese Aufgaben als lohnende, ja, begeisternde Herausforderungen an die nächste Generation weiterzugeben. Gemeinsam im nicht immer bequemen Spannungsfeld staatlichen, bürgerlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Handelns.

 

GREMIEN

Stifterversammlung
 
Ernst-Ludwig Drayß (Vorsitzender)
Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes (stellv. Vorsitzender)
Michael Heuß, Kuratorium Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch e.V. 
Volksbank  eG Darmstadt  Kreis Bergstraße,  Walter Konrad, Vorstandsvorsitzender
GGEW Gruppen-Gas- und Elektrizitätswerk Bergstraße Aktiengesellschaft, Dr.  Peter Müller, Vorstandsvorsitzender 
Kuratorium Weltkulturdenkmal, Dr. Dorothea Redeker, 1. Vorsitzende
Bürgermeister der Stadt Lorsch, Christian Schönung
Dr. Reckeweg & Co. GmbH, Bensheim, Michael Reckeweg
Wohnbau Bergstraße eG


Stiftungsvorstand:
 
Dr. Norbert Bräuer (Bensheim), Vorstandsvorsitzender
Josua Mattern (Heppenheim), Schriftführer
Bruno Eichhorn (Lorsch), Schatzmeister

v.l. Bruno Eichhorn, Ernst-Ludwig Drayß, Josua Mattern, Dr. Norbert Bräuer (2012)

 

 

GREMIEN

Stifterversammlung
 
Ernst-Ludwig Drayß (Vorsitzender)
Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes (stellv. Vorsitzender)
Michael Heuß, Kuratorium Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch e.V. 
Volksbank  eG Darmstadt  Kreis Bergstraße,  Walter Konrad, Vorstandsvorsitzender
GGEW Gruppen-Gas- und Elektrizitätswerk Bergstraße Aktiengesellschaft, Dr.  Peter Müller, Vorstandsvorsitzender 
Kuratorium Weltkulturdenkmal, Dr. Dorothea Redeker, 1. Vorsitzende
Bürgermeister der Stadt Lorsch, Christian Schönung
Dr. Reckeweg & Co. GmbH, Bensheim, Michael Reckeweg
Wohnbau Bergstraße eG


Stiftungsvorstand:
 
Dr. Norbert Bräuer (Bensheim), Vorstandsvorsitzender
Josua Mattern (Heppenheim), Schriftführer
Bruno Eichhorn (Lorsch), Schatzmeister

v.l. Bruno Eichhorn, Ernst-Ludwig Drayß, Josua Mattern, Dr. Norbert Bräuer (2012)