Der Erhalt des Klosters geht die ganze Region an

Knapp ein Jahr nach der Gründung arbeitet die Stiftung Weltkulturerbe aktiv am Aufbau

Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch

Lorsch. "Die Stiftung entwickelt und formiert sich gerade", kommentiert Ernst-Ludwig Drayß den aktuellen Prozess. Knapp ein Jahr nach Gründung zieht der Vorsitzende der Stifterversammlung eine positive Bilanz. In der Gewissheit, dass dies nur die Ouvertüre war zu dem, was folgen soll: "Wir sind noch lange nicht fertig."

Stifterversammlung

Das bislang zweite Treffen von Gründungsstiftern und Vorstand war gleichsam Aufsichtsratssitzung, Lagebesprechung und Werbeveranstaltung in einem. Als standesgemäßen Rahmen wurde das "Kurfürstliche Haus" gewählt, das vom Mainzer Erzbischof als Jagdresidenz gebaut wurde. Hier betonten die "Geburtshelfer" den überregionalen Status der Stiftung Unesco-Weltkulturerbe Kloster Lorsch, wie die zweckgebundene Einrichtung im Februar 2011 offiziell getauft wurde. Die Stiftung soll als Gesicht der Welterbestätte das Interesse einer möglichst großen Öffentlichkeit auf sich ziehen. Privatpersonen und Stifter aus der Wirtschaft haben die Chance, sich aktiv und dauerhaft am Erhalt des kulturellen Erbes zu beteiligen.

Fokus über Lorsch hinaus

Lorsch ist dabei zwangsläufig Bühne, nicht aber der begrenzte Handlungsspielraum. Die Unterstützung soll nicht auf lokale Akteure beschränkt sein. Allerdings ist Bewusstsein für den überregionalen Charakter des Klostergeländes nicht in jeder Nische des Kreises ausgeprägt. Im Vorfeld der Gründung gab es einige, die das Motiv der Stiftung als "Lorscher Angelegenheit" von sich gewiesen haben. Das scheint sich langsam zu ändern. Unter den potenziellen Zustiftern finden sich Private und Unternehmen, die nicht in Lorsch verortet sind. Das freut den Vorstandsvorsitzenden Dr. Norbert Bräuer (Bensheim), der eine wachsende Zahl an Sympathisanten notiert.

Interkommunales Dreigestirn

Gemeinsam mit Bruno Eichhorn (Lorsch) und Josua Mattern aus Heppenheim bildet der ehemalige Bankmanager das Dreigestirn der Stiftung. Die interkommunale Konstellation hat auch einen symbolischen Wert: Der Vorstand will über Kirchtürme blicken und hat den regionalen Aspekt des Welterbes sowie dessen europäische Strahlkraft im Fokus. "Es geht um das Wir-Gefühl der Stifter", so Bräuer, der alle Aktivitäten nicht nur in einem historisch-kulturellen, sondern auch in einem geselligen Kontext sieht: Wer sich für das Welterbe einsetzt, der soll auch seinen Spaß dabei haben. Veranstaltungen wie der Frühschoppen sollen in diesem Jahr wiederholt werden.

Auch eine Konzert-Gala sowie ein Besuch der Stiftungskollegen von Kloster Eberbach sind vorgesehen. Der Vorsitzende dankte dem langjährigen Kuratoriumsvorsitzenden Ernst-Ludwig Drayß für dessen ausdauernden Einsatz. "Ohne ihn gäbe es die Stiftung nicht." Auch Landrat Matthias Wilkes habe die Gründung immer forciert. Am Montag wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Stifterversammlung gewählt.

Bergsträßer Anzeiger, 18. Januar 2012



© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 17.04.2012