Bensheimer Unterstützer für Kloster Lorsch

Lorsch/Bergstrasse. Die positive Entwicklung der Stiftung Unseco-Weltkulturerbe Kloster Lorsch dauert an. Und auch das Kapital wächst: Gut ein Jahr nach der Gründung haben sich gestern Abend vier namhafte Bensheimer Unternehmen und zwei Privatpersonen den Zielen der Stiftungsurkunde verpflichtet. Gemeinsam stocken sie das Stammkapital um 33.000 Euro auf. Das aktuelle Stiftungsvermögen beträgt somit 113.000 Euro. "Ein großer Tag", so der Vorstandsvorsitzende Dr. Norbert Bräuer.

Das kulturelle Erbe erhalten

Unterzeichnet haben Michael Reckeweg für die Pharmazeutische Fabrik Dr. Reckeweg, Eric Küppers aus dem Vorstand des Technologieunternehmen TE Connectivity, der Immobilienkonzern Dietz AG in Person des Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Dietz sowie Dr. Robert Beier von der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Beier & Partner. Als private Stifter sind Richard Schneider (Frankfurt) und Ernst-Ludwig Drayß aus Bensheim mit im Boot. Drayß ist Vorsitzender der Stifterversammlung und war seit Gründung des Kuratoriums Welterbe Kloster Lorsch 13 Jahre lang als dessen Vorsitzender aktiv. Als solcher gehörte er zu den frühen Fürsprechern einer Stiftungsgründung.

Stifterversammlung

Unterstützung für das Weltkulturerbe Kloster Lorsch: Vier Bensheimer Unternehmen und zwei Privatpersonen haben sich gestern den Zielen der Stiftung verpflichtet (von links): Richard Schneider aus Frankfurt, Dr. Robert Beier, Michael Reckeweg, Norbert Bräuer, Erik Küppers, Dr. Wolfgang Dietz und Ernst-Ludwig Drayß.

Bei einer feierlichen Zeremonie zwischen alter karolingischer Bausubstanz in der kalten Königshalle besiegelten die Unterschriften die Solidarität mit dem in der Satzung definierten Stiftungsziel: die Förderung sämtlicher Aktivitäten und Projekte, die dem Erhalt des kulturellen Erbes Welterbestätte und deren Bedeutung im europäischen Kontext dienlich sind. Die Stiftung leistet darüber hinaus einen Beitrag zur Völkerverständigung durch die Bildung internationaler Netzwerke, die über Kooperationsverträge und Partnerschaften mit anderen Welterbestätten permanent ausgebaut werden.

Dass die neuen Partner allesamt nicht aus Lorsch kommen, unterstreicht nicht nur die überregionale Bedeutung des Weltkulturerbes, sondern spiegelt auch das interkommunale Selbstverständnis der zweckgebundenen Einrichtung, die im Februar 2011 von privaten Stiftern ins Leben gerufen wurde - quasi als konsequente ideelle Weiterentwicklung des 1998 gegründeten Kuratoriums-Vereins.

Die Unterstützung des Stiftungsziels soll ausdrücklich nicht auf lokale Akteure begrenzt sein, wie Dr. Norbert Bräuer vor Ort betonte. Der ehemalige Chef der Hessischen Landesbank lobte die Beteiligung der Stifter, die auf diese Weise - über betriebswirtschaftliche Interessen hinaus - ein offenes Bekenntnis zu gesellschafts- und kulturpolitischer Verantwortung signalisierten. In den USA sei diese Form des betrieblichen Engagements ein prestigeträchtiger Ausdruck des unternehmerischen Selbstverständnisses.

Seit jeher von Stiftungen profitiert

Der Verwaltungsdirektor der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen, Karl Weber, kommentierte die Zustiftung als Beitrag zur Erhaltung eines wertvollen kulturhistorischen Juwels "für Lorsch und darüber hinaus".

Das wirtschaftlich, politisch und religiös einflussreiche Benediktinerkloster wurde zu jedem Zeitpunkt seines Bestehens von Stiftungen unterstützt. Seit 764 hat das Kloster die Entwicklung des Stiftungswesens begleitet - und davon wesentlich profitiert: Durch die beiden Schenkungen Karls des Großen in der Jugendzeit des Klosters wurden dessen wirtschaftliche Grundlagen geschaffen. Die Stifter, so Bräuer weiter, dürfen sich in einer direkten Linie zu ihren berühmten Vorgängern sehen. Der Vorsitzende dankte auch den Gründungsstiftern, dass sie die Grundlage für die weitere Entwicklung gelegt haben. Er zeigte sich gestern zuversichtlich, dass in naher Zukunft eine "weitere Stiftungswelle" komme. Das Interesse wachse stetig.

Der Historiker und Welterbe-Leiter Dr. Hermann Schefers erinnerte an die Sinnhaftigkeit einer jeden Stiftung als multiple Solidargemeinschaft zum Wohle aller, die - am Beispiel Lorsch - wesentlich zum Erhalt eines geschützten Kulturguts beitragen könne. Dadurch werde die konkrete Idee des Welterbes aktiv umgesetzt.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 17.04.2012