Kloster Lorsch: Stiftung soll auch die Schulen mit ins Boot nehmen

Von Thomas Tritsch

Stifterversammlung


Der Vorstand zieht eine positive Zwischenbilanz: Die Stiftung Unesco-Weltkulturerbe Kloster Lorsch blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Im April hatten sich sechs weitere Stifter den Zielen der Stiftung verpflichtet. Das Galakonzert mit armenischen Künstlern im Oktober war mit über 250 Gästen ein beachtlicher Erfolg. Bis zum großen Lorscher Jubiläumsjahr 2014 will man sich nun im Sinne des Stiftungszwecks weiter entwickeln und mit besonderen Ideen aufwarten.

Sitzung im Pressehaus

Die jüngste Stifterversammlung fand am Dienstagabend beim Bergströßer Anzeiger statt. Im Pressehaus traf man sich in lockerer Runde, um über die bisherige Biografie der Stiftung und ihre kommenden Herausforderungen zu sprechen. Mit dabei auch der Lorscher Bürgermeister Christian Schönung und Landrat Matthias Wilkes. Als Gastgeber begrüßte BA-Chefredakteur Karl-Heinz Schlitt die Teilnehmer.

Die Öffentlichkeit erreichen

Der Vorsitzende der Stifterversammlung, Ernst-Ludwig Drayß, betonte, dass die Stiftung noch in den Kinderschuhen steckt. Man steht am Beginn eines Entwicklungsprozesses, der intern mit viel Hoffnung und Zuversicht begleitet wird. Vorstandschef Dr. Norbert Bräuer sieht das ebenso. Er unterstrich, dass die Stiftung als prominentes Gesicht der Welterbestätte eine möglichst große Öffentlichkeit erreichen will. Wer mitmacht, kann sich aktiv und nachhaltig am Erhalt eines lokalen kulturellen Juwels mit weltweiter Strahlkraft beteiligen. Das "Wir-Gefühl" soll weiterhin hochgehalten werden und zum Charme der Stiftung beitragen.

Mit Blick auf die Veranstaltungen des abgelaufenen Jahres zeigte sich der ehemalige Bankmanager äußerst zufrieden. Das hochklassig besetzte Galakonzert anlässlich des zehnten Jubiläums der Welterbestätten Kloster Geghard und Lorsch im Bensheimer Parktheater war ein Spiegel der gewachsenen Freundschaft beider Partner und soll der Startschuss einer regelmäßigen Reihe mit kulturellen Highlights bilden. Auch der traditionelle Frühschoppen soll fortgesetzt werden.

Neue Stifter gewinnen

Mit Dank aufgenommen wurde eine Anregung vom stellvertretenden Versammlungsvorsitzenden Matthias Wilkes, der vorschlug, durch die plastische Darstellung konkreter Einzelprojekte potenzielle neue Stifter zu gewinnen und verstärkt auch Schulen mit ins Boot zu nehmen. Der Erhalt des Welterbes soll auch eine Angelegenheit der Jugend sein.

Dr. Norbert Bräuer teilte mit, dass die Zahl der Interessenten und Sympathisanten insgesamt zunehme. Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Komplizen zu erkennen und dauerhaft mitzunehmen.


 Stiftung Unesco-Weltkulturerbe Kloster Lorsch

Das Stiftungsvermögen beträgt aktuell 113.000 Euro. Im April hatten vier Bensheimer Unternehmen und zwei Privatpersonen das Stammkapital um 33.000 Euro aufgestockt. Wie Bruno Eichhorn aus dem Vorstand berichtet, ist es gelungen, das Vermägen trotz der schwierigen Kapitalmarktsituation im Sinne des Stiftungszwecks zu verwalten.

Zum Kreis der Stifter gehören heute die Pharmazeutische Fabrik Dr. Reckeweg, die Dietz AG, die GGEW AG, die Volksbank Darmstadt-Kreis Bergstraße sowie die Anwaltskanzlei Dr. Robert Beier und Partner. Des Weiteren das Unternehmen TE Connectivity und das Kuratorium Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch. Private Stifter sind Gerhard Jakobi, Richard Schneider (Frankfurt) und Ernst-Ludwig Drayß. Der Lorscher ist Vorsitzender der Stifterversammlung und war von Beginn an 13 Jahre lang Kuratoriumsvorsitzender.

Stiftungsziel ist seit der Gründung im Februar 2011 die Förderung sämtliche Projekte und Aktivitäten, die dem Erhalt des Welterbes und seiner kulturellen Bedeutung dienlich sind. Durch Kooperationen und Partnerschaften wird das internationale Netzwerk permanent ausgebaut und Völkerverständigung aktiv gelebt. Lorsch soll dabei die Bühne, aber kein begrenzter Handlungsspielraum sein. tr

Alle Bilder: Thomas Neu

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Zitat des Tages

"Wir sind zufrieden. Dennoch ist ein langer Atem nötig, um weitere Partner zu finden."
Vorstandschef Dr. Norbert Bräuer über die Perspektiven der Stiftung Weltkulturerbe Kloster Lorsch

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Eine Operation am offenen Herzen

Über den aktuellen Stand der Dinge beim Ausbau der Welterbestätte berichtete Dr. Hermann Schefers. Der Historiker und Welterbeleiter zeigte sich zuversichtlich, dass die Anlage ab 2014 - genau 1250 Jahre nach der Gründung der Abtei - stark verändert, aber um so attraktiver ein internationales Publikum anziehen wird.

Für das ehemalige Kloster ist es eine Operation am offenen Herzen, der man aber gerne zuschauen darf. Schefers verschwieg nicht, dass die Umbauarbeiten Gäste kosten: Im vergangenen Jahr kamen mit rund 27.000 Besuchern gut 7000 weniger als sonst. Für das laufende Jahr rechnet er mit unter 25.000 Gästen. "Das wird wieder aufgeholt", blickt Schefers optimistisch Richtung Jubiläumsjahr.

Reiz des offenen Projekts: Die Fortschritte sind live erfahrbar. Über tausend Menschen haben 2012 die Chance genutzt, bei einer Baustellenführung dabei zu sein. Das größte der sechs Teilprojekte, der karolingische Herrenhof Lauresham, soll 2014 an den Start gehen - und einen guten Eindruck hinterlassen, wie Ernst-Ludwig Drayß betont: Denn für selbigen gibt es bekanntlich keine zweite Chance. Die Welterbestätte und ihre Akteure wollen die erste Premiere daher so gut wie möglich über die Bühne bringen.Der Zugang soll nicht rein akademisch sein: Schefers will die Anlage als "Kloster für alle" etablieren. Nicht nur der intellektuelle Geschichtskenner soll hier satt werden. "Man darf Spaß haben", kommentiert er den unterhaltsamen, wenngleich nicht oberflächlichen Ansatz des aufgerüsteten Klostergeländes, mit dessen Modellierung gerade begonnen wird. tr