Förderer wollen mit konkreten Projekten wieder an Fahrt gewinnen

Eine Stiftung ist eine auf Ewigkeit ausgerichtete Rechtsform. Knapp vier Jahre nach ihrer Gründung ist die Stiftung Unesco-Weltkulturerbe Kloster Lorsch in einer ersten Talsohle angekommen. Beim Treffen in Heppenheim äußerte sich die Spitze enttäuscht über die jüngste Entwicklung: "Das läuft bei weitem nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben", so der Vorsitzende der Stifterversammlung, Ernst-Ludwig Drayß im Kurmainzer Amtshof, wo bereits über die Zukunft der Förderstiftung diskutiert wurde.

Gurgen Baveyan

Bei der Stifterversammlung für das Unesco-Weltkulturerbe Kloster Lorsch (in der Mitte von links): Landrat Matthias Wilkes, Ernst-Ludwig Drayß, Vorsitzender der Stifterversammlung, und der Lorscher Bürgermeister Christian Schönung.

Auslöser war der Bericht des Vorstands Dr. Norbert Bräuer. Dieser meldete eine stagnierende Zahl an Unterstützern und eine nur geringe Steigerung des Stammkapitals auf knapp 120 000 Euro. Dass man mit den Zinserträgen in Höhe von rund 3500 Euro im Jahr keine großen Sprönge machen kann, musste der erfahrene Bänker seinen Kollegen nicht weiter erläutern. Dennoch steht die Stiftung aufgrund weitsichtiger Anlageentscheidungen finanziell auf relativ gesunden Beinen. "Bis 2017 sind wird in einer vergleichsweise komfortablen Situation", so Bräuer, der am Montag dafür plädierte, sich frühzeitig über die Nutzung des Stiftungsvolumens Gedanken zu machen.

Trotz intensiver Gespräche mit potenziellen Zustiftern aus der regionalen Wirtschaft sei es im vergangenen Jahr leider nicht gelungen, weitere Mitstreiter an Land zu ziehen, so der Vorstand mit dem nötigen Maß an Kritik. Dennoch sei es jetzt grundfalsch, verfrüht die Lichter auszumachen: "Wir müssen weiter Gas geben und Ausdauer beweisen."

Einsatz für das Kloster

Zweck der Stiftung ist die Förderung der Unesco-Welterbestätte Kloster Lorsch.

Dies schließt sämtliche Maßnahmen und Projekte ein, die entweder

  • die europäische und kulturhistorische Bedeutung des Welterbes unterstreichen,
  • die denkmalpflegerischen Aufgaben unterstützen oder
  • wissenschaftliche Forschungen ermöglichen.

Schwierige Situation

Er sprach von einer Situation, die schwierig, aber nicht lebensbedrohlich sei. Diese positive Botschaft will Dr. Norbert Bräuer auch nach außen tragen. Ein Gespräch, das er gerade gestern mit einem möglichen neuen Zustifter geführt habe, sei überaus vielversprechend verlaufen. In den kommenden Monaten wollen er und sein Vorstandskollege Bruno Eichhorn vor allem in Lorsch die Fühler ausstrecken. Dabei setzen sie auf die Unterstützung von Bürgermeister Christian Schönung, der ebenfalls Mitglied der Stifterversammlung ist.

Schönung berichtete über die komplizierten Eigentumsverhältnisse und die aktuelle Vereinbarung zwischen der Stadt und der Landesbehörde Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, der das eigentliche Kloster gehürt. Die Verträge sind bereits durch den Magistrat gegangen und würden derzeit in Wiesbaden geprüft. Unter anderem ist vorgesehen, dass ein Beirat aus beiden Lagern über die Projekte im Kontext des Welterbes berät.

Stadt und Kuratorium, aus dem die Stiftung hervorgegangen ist, hatten seit jeher eine einheitliche Trägerschaft durch eine Stiftung favorisiert, um die Welterbestätte in ihrer Gesamtheit effizient managen zu künnen. Mit einer "Fernbedienung aus Wiesbaden" lasse sich der Lorscher Kulturbetrieb nicht optimal lenken, so Ernst-Ludwig Drayß. Die Schaffung einer neuen juristischen Person aber lehnte das Land als Quelle neuer Kosten ab.

Wilkes als Motor

"Der Staat tut sich schwer, Macht in andere Hände abzugeben", fand Landrat Matthias Wilkes deutliche Worte. Wilkes hatte die Idee einer Trägerstiftung wesentlich vorangebracht. Drayß dankte dem scheidenden Landrat für dessen Engagement: "Er war der Motor des Projekts."

Seit über sieben Jahren plädierte Wilkes für eine effiziente Organisationsstruktur durch eine übergreifende Trägerschaft. Mehr als eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Hessen, dem Kreis Bergstraße, der Stadt Lorsch und dem Kuratorium ist dabei nicht herausgekommen. Die Frage nach einer endgültigen Trägerschaft steht noch im Raum. Der Landrat, kraft Amtes Mitglied der Stifterversammlung, kommentierte die strategische Aufgabenstellung von damals als nicht erfällt. Nun komme es darauf an, für die Stiftung realistische Ziele zu definieren.

Schwerpunkte klar herausstellen

Genau das will der Vorstand jetzt erneut angehen. Dabei zählt er auf die Unterstützung seiner Mitglieder. Dr. Peter Müller (GGEW AG) forderte in Heppenheim, jetzt nicht die Flinte ins Korn zu werfen. Er signalisierte die weitere Unterstützung seines Unternehmens. Neben der GGEW gehören auch die Volksbank Darmstadt Südhessen, das Unternehmen Dr. Reckeweg & Co. sowie das Kuratorium zur Stifterversammlung.

Der scheidende Volksbank-Vorstand Walter Konrad und die Kuratoriumsvorsitzende Dr. Dorothea Redeker regten an, die inhaltlichen Schwerpunkte klarer herauszustellen und die Arbeit der Stiftung an konkreten Projekten beispielhaft vorzuführen. "Wir müssen unser Alleinstellungsmerkmal betonen", so Konrad. Die Stiftung soll mehr Identität bekommen.

Mittwoch, 21.01.2015