Ein feines Konzert mit armenischen Künstlern

Gurgen Baveyan und Diana Sahakyan begeisterten das Publikum in Heppenheim

Von  Thomas Tritsch

Gurgen Baveyan

Bergstrasse. Langer Applaus nach einem außerordentlichen Konzertabend mit zwei grandiosen jungen Künstlern: Der Bariton Gurgen Baveyan und die Pianistin Diana Sahakyan haben in Heppenheim mit einem fein komponierten und hochklassig interpretierten Repertoire das Publikum begeistert. Die beiden Musiker boten unter anderem anspruchsvolle Werke von Chopin und Rachmaninov sowie traditionelle Lieder aus ihrer armenischen Heimat.

Zum wiederholten Mal hatte es die Stiftung Unesco-Weltkulturdenkmal fertig gebracht, aufstrebende junge Künstler aus dem Kaukasusstaat an die Bergstraße zu holen. Durch die gute und langjährige Partnerschaft zwischen den Weltkulturerbestätten Kloster Lorsch und Kloster Geghard sowie etliche persönliche Kontakte sind auch die kulturelleren Beziehungen gewachsen.

Nach dem Konzert gab Stiftungsvorstand Dr. Norbert Bräuer seiner Hoffnung auf ein weiteres Konzert Ausdruck. Bräuer dankte Ernst-Ludwig Drayß, Vorsitzender der Stifterversammlung, der das Gastspiel durch seine guten Drähte nach Armenien ermöglicht und organisiert hatte. "Der Termin ist kein Zufall" so Drayß in der "Blauen Grotte" des "Halben Monds". In diesen Tagen jährt sich das Massaker des Osmanischen Reichs an den Armeniern zum 100. Mal. Das Konzert mit dem Titel "Der Himmel zwischen Ost und West" sollte an den Genozid erinnern und als Zeichen für Frieden und Versöhnung klingen.

Expressive Schönheit

Gurgen Baveyans Gesang vereint kraftvolle Dynamik, eindrucksvolle Perfektion und expressive Schönheit. Der Bariton überzeugte mit stilistischer Flexibilität und enormer stimmlicher Bandbreite. In Heppenheim begeisterte Baveyan darüber hinaus mit einer hohen Souveränität des persönlichen Ausdrucks, die bei Werken wie Brahms "Wie bist du meine Königin" und Pierrot's Tanzlied ("Mein Sehnen, mein Wähnen") aus Erich W. Korngolds im spätromantischen Stil komponierten Oper "Die tote Stadt". Die schwärmerisch-melancholische Bariton-Arie offenbarte nicht nur künstlerische Klasse, sondern auch die satte Akustik des Kellergewölbes, in dem auch feinste klangliche Nuancen vernehmbar sind. Leider auch die knarzende Klavierbank, die den Hörgenuss während der (nicht wenigen) leisen Passagen etwas schmälerte.

Virtuoses Können

Am virtuosen Können von Diana Sahakyan kann aber kein Möbelstück der Welt rütteln. Die Pianistin spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr und schloss in ihrer Heimat bereits im Alter von 16 Jahren die Musikschule ab. Das vielversprechende junge Talent setzte 2004 ihr Studium am Staatlichen Konservatorium Komitas in Eriwan fort. Diana Sahakyan (Jahrgang 1987) nahm an vielen Wettbewerben, internationalen Meisterkursen und Konzerten teil und war unter anderem Preisträgerin beim Klavierwettbewerb für junge Pianisten "Flame" im Jahr 2005. Seit sechs Jahren ist sie als diplomierte Konzertpianistin unterwegs und studiert außerdem an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.

Neben ihrer solistischen Tätigkeit engagiert sich Diana Sahakyan auch in der Kammermusik. In Heppenheim begeisterte sie mit drei Soli von Chopin, mit denen sie 2014 auch beim Internationalen Klaviersommer in Cochem das Publikum betörte. Die Pianistin verschmolz förmlich mit dem Klavier und brachte den Charme, die Dramatik und tiefe Komplexität der Stücke brillant auf den Punkt. Technisch sauber und mit einer fulminanten, dabei leichtfüßigen Wiedergabe erklang Rachmaninovs effektvolle Etüde Nr. 3 (Allegro molto) aus den "Études-Tableaux op. 39". Auf zwei weitere im Programm angekündigte Werke des Komponisten verzichtete Sahakyan, weil im "Halben Mond" leider kein Flügel zur Verfügung stand, der den Werken die nötigen klanglichen Feinheiten geboten hätte.

Gurgen Baveyan zählt ab der Spielzeit 2014/15 zum Opernstudio der Oper Frankfurt. Nach seiner Zeit an der Armenischen Nationaloper in Yerevan, wo er sein Bachelorstudium abschloss, absolviert er sein Masterstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Zu seinen Auszeichnungen zählen unter anderen der "Jahrespreis für Junge Sänger" des armenischen Präsidenten und ein Sieg beim Internationalen Bariton-Wettbewerb "Pavel Lisitsian" in Moskau. Im Januar 2014 hatte Baveyan die von Robert Amirkhanyan komponierte "Lorscher Hymne" präsentiert. Auch dieses Mal hatte Baveyan zwei Titel des populären armenischen Musikers mitgebracht, dessen Texte und Melodien eine große Spannweite an emotionalen Nuancen und patriotischen Gefühlen spiegeln. Mit einem ungemein schön timbrierten und sonoren, sehr impulsiv und markant eingesetztem Bariton verzauberte Baveyan auch das Stück "Tu, ca nun chiagne?" des neapolitanischen Komponisten Ernesto de Curtis.

Mitreißend auch die Arie des Onegin aus "Eugene Onegin" (Tschaikowski) und Mozarts berühmtes Bassbariton-Solo aus der "Hochzeit des Figaro" - das finale Sahnehäubchen eines harmonischen wie facettenreichen Konzerts für Stimme und Piano, das dann doch noch mit einer a cappella vorgetragenen Hommage an Armenien abgerundet wurde. Gurgen Baveyan intonierte das Volkslied voller Wärme, Pathos und Hingebung. Lauter Beifall in Heppenheim.

© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 25.04.2015