Stiftung hat eine neue Führungsmannschaft

Professor Dr. Karl Härter (Dritter von rechts) ist neuer Vorsitzender der Stiftung Weltkulturerbe Kloster Lorsch. © Lotz

Bergstraße/Lorsch. Die Stiftung Weltkulturerbe Kloster Lorsch hat eine neue Führungsmannschaft. Bei der Versammlung am Donnerstagabend wurde Professor Dr. Karl Härter im Rahmen der turnusgemäßen Vorstandswahlen ohne Gegenkandidaten und einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der bisherige Amtsinhaber Dr. Norbert Bräuer trat nach zwei Wahlperioden von seinem Amt zurück.
Er dankte den Stiftern und seinen Mitstreitern in der Stiftung für sechs Jahre voller "Besonderheiten und Merkwürdigkeiten", die bisweilen sein großes Toleranzreservoir erschöpft hätten - eine Anspielung nicht nur auf die Schwierigkeit, neue Stifter zu begeistern, sondern auch auf Kompetenzrangeleien mit Vertretern der Staatlichen Verwaltung der Schlösser und Gärten in Hessen. Mit Bräuer schied auch Josua Mattern als Schriftführer aus.

Einen Wechsel gab es auch an der Spitze der Stifterversammlung: Der bisherige Vorsitzende Ernst-Ludwig Drayß wird vom Juristen Dr. Robert Beier abgelöst. Drayß wurde einstimmig in den Vorstand gewählt und wird dort die Funktion des Schriftführers übernehmen. Stellvertretender Vorsitzender der Stifterversammlung bleibt Landrat Christian Engelhard, der die Stiftung unter anderem auch durch die Vernetzung mit der Metropolregion unterstützen will. Als Schatzmeister wiedergewählt wurde zudem Bruno Eichhorn.

Professor Dr. Karl Härter ein Historiker

Hauptberuflich am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt mit Forschungen zur Rechts-, Politik- und Verfassungsgeschichte befasst, lehrt er daneben als Professor an der Technischen Universität Darmstadt am Institut für Geschichte.
Härter ist im Vorstand mehrerer regionaler Geschichtsvereine aktiv, unter anderem in der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstraße, dem Herausgeber der Geschichtsblätter für den Kreis.

Nachgezählt

Der Kassenbericht von Bruno Eichhorn, der zur einstimmigen Entlastung des Vorstands führte, wies trotz des "schwierigen Umfelds", wie er sagte, eine leichte Erhöhung des Kassenstands seit Ende 2015 um knapp 3000 Euro auf. Insgesamt verfügt die Stiftung derzeit über Finanzmittel in Höhe von etwa 140 000 Euro.

Professor Härter dankte der Versammlung für das Vertrauen und wies darauf hin, dass die lange Tradition des Stifterwesens einst just mit dem Kloster Lorsch einen gloriosen Auftakt genommen habe. Unter der enormen Zahl von Stiftern sei nicht nur Karl der Große gewesen, sondern es hätten auch ungewöhnlich viele Privatleute aus der Region gestiftet, darunter 30 Prozent Frauen. Schon damals seien es nicht nur religiöse Gründe gewesen, die zum Stiften anregten, sondern durchaus auch wirtschaftliche Motive. Ein Ziel seiner Arbeit werde es sein, die Stiftungstradition des 8. Jahrhunderts weiterzuführen.
Aktivitäten der Stiftung im vergangenen Jahr waren die Musikveranstaltung "Jazz am Kloster", mit der am Tag des offenen Denkmals im September eine alte Lorscher Tradition wieder auflebte. Die Reihe soll 2017 fortgesetzt werden. Außerdem wurden eine neue Website und ein Flyer gestaltet, mit denen für die Stiftung geworben wird. Härter regte für dieses Jahr eine Schulpartnerschaft mit dem Kreis Schweidnitz in Polen an, der mit dem Kreis Bergstraße verschwistert ist. Die dortige protestantische Friedenskirche ist ebenfalls Unesco-Weltkulturerbe.

Bis zu 10 000 Euro Preisgeld

Das größte neu angestoßene Projekt ist allerdings die Ausschreibung des Wettbewerbs in Kooperation mit den Metropolregionen Rhein-Neckar und Frankfurt/Rhein-Main, mit dem Land Hessen, dem Hessischen Welterbe-Beauftragten, der Deutschen Unesco-Kommission und den Welterbestätten der Region. Gesucht werden Ideen, mit denen der Welterbegedanke am Beispiel des Lorscher Klosters innovativ vermittelt werden kann.
Angesprochen werden Einzelpersonen, Schulen und Vereine, Firmen und öffentliche Institutionen. Teilnahmeschluss mit kurzer Projektskizze und voraussichtlichen Umsetzungskosten ist der 30. Juni. Das Preisgeld von bis zu 10 000 Euro kann auch auf mehrere Preisträger verteilt werden. Darüber entscheidet eine Jury aus Experten und Mitgliedern der Stifterversammlung. Nähere Informationen und ein Bewerbungsformular zum Download gibt's online: www.stiftung-kloster-lorsch.org/wettbewerb

 

© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 04.03.2017, Bild: Lotz