Vergabe Stiftungspreis im Stiftungswettbewerb

Innovative Vermittlung des Welterbe-Gedankens

Im Gespräch: Prof. Dr. Karl-Härter, 1. Vorsitzender der Stiftung UNESCO-Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch, Dr. Claus Peinemann, Referent für Regionalplanung , Metropolregion Rhein-Neckar und Frau Dr. Eva Bambach, Gewinnerin des Stiftungswettbewerbes.

„Das Murmeln der Geschichte im Zullestein“

Die Stiftung UNESCO Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch vergab 2017 den Stiftungspreis in Höhe von 5000 Euro im Stiftungswettbewerb Innovative Vermittlung des Welterbe-Gedankens an das Projekt „Das Murmeln der Geschichte im Zullestein“ von Frau Dr. Eva Bambach. Die Preisverleihung fand am 10. September 17 um ca. 17 Uhr zum Tag des offenen Denkmals in Lorsch im Rahmen der Veranstaltung „Jazz am Kloster“ statt.

Das mit dem Stifterpreis geförderte Projekt ist eine App für Smartphones, die den am Einfluss der Weschnitz in den Rhein gelegenen historischen Hafen des Klosters Lorsch - den Zullestein bzw. die spätere Burg Stein - zum Leben erweckt. Sie lässt imaginierte Gedanken und Gespräche von Menschen hörbar werden, die einmal an diesem Ort agiert haben könnten. Über eine Schenkung von König Ludwig an den Gaugrafen Werner erhielt das Kloster 846 das Dorf mit Rheinhafen, das 995 auch Marktrecht bekam. Als Handels- und Warenumschlagplatz war der Zullestein von wesentlicher Bedeutung für die regionale Infrastruktur und Wirtschaft des Klosters: er war Lorschs „Tor zur Welt“ (S.-H. Siemers). Bereits in römischer Zeit befand sich an diesem Ort eine Schifflände mit einem befestigten „Burgus“. Nachdem Lorsch den Hafen verlor, entstand dort die Burg Stein, die auch Verwaltungssitz und militärischer Schlüssel zur Bergstraße fungierte, bevor sie wie das Kloster in Kämpfen des Dreißigjährigen Kriegs zerstört wurde.

Zullestein und die Burg Stein bilden folglich ein wichtiges Element des Weltkulturerbes Kloster Lorsch und gehören zu vier wichtigen historischen Epochen unseres Raums. Das geförderte Projekt soll diesen Ort als Kreuzungspunkt von Menschen aus (räumlich und zeitlich) unterschiedlichen Welten erlebbar machen, während der Besucher selbst umherspaziert: Was prägte das Leben am Zullestein als Rheinhafen des Klosters Lorsch? Was fühlte der Soldat in den dortigen Kämpfen während des 30-jährigen Krieges? Mit welchem Problem kämpfte genau hier möglicherweise einst ein römischer Schiffer? Um den gedanklichen Transfer zu unterstützen, werden die gesprochenen Texte und die Töne in unmittelbare Verbindung zu den erhaltenen baulichen Resten gebracht. Dabei ist der spekulative Charakter der Tonaufnahmen immer deutlich, die aber die Einfühlung in historische Bedingungen ganz unmittelbar anregen und damit auch Informationen und Kontext zum Kloster Lorsch als Weltkulturerbe vermitteln. Das Projekt soll folglich unterhalten und dabei das Bewusstsein für Geschichte und die Bedeutung des historischen Ortes Zullestein/Burg Stein und des Klosters wecken. Zu den Zielgruppen zählen: Radler, Wanderer, Ausflügler und Schüler. Die kostenlose App zeigt auf dem Smartphone des Benutzers eine einfache Karte des Geländes mit verschiedenen Hotspots, die der Besucher aufsuchen kann. Per GPS-Signal wird an den dafür vorgesehenen Orten dann automatisch die Wiedergabe von kurzen Audiosequenzen auf dem Smartphone des Benutzers aktiviert.

Die Burg Stein ist über Biblis-Nordheim Partner der Welterbestätte Kloster Lorsch und wurde 2015 als Regionales Kulturerbe des Kreises Bergstraße ausgezeichnet. Insofern kann das Projekt auch Präsentation, Pflege und Denkmalschutz dieses historischen Ortes einer breiteren Öffentlichkeit vermitteln. Im Sinne des Stiftungswettbewerbs handelt es sich folglich um ein innovatives, pädagogisch-didaktisches, räumlich-gestalterisches und mediales Projekt, das zur regionalen Vernetzung der Welterbstätte Kloster Lorsch beiträgt. Mit dem Zullestein als Lorschs Tor zur Welt wird es auch dem globalen Anspruch des Welterbe-Gedankens und der Welterbestätte als Kristallisationspunkt nationaler Kultur im Kontext interkultureller Zusammenhänge gerecht. Und es trägt zur touristischen Vermittlung und verantwortungsbewussten Vermarktung der Welterbestätte und eines ihrer nahezu in Vergessenheit geratenen historischen Orte bei.

Zur Person der Preisträgerin: Frau Dr. Bambach ist in Bensheim geboren, hat Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie studiert und wurde 1994 mit einer Arbeit zur Kunst im Auftrag Friedrichs des Weisen promoviert. Seitdem geht sie einer freien beruflichen Tätigkeit als Journalistin und Bildredakteurin im Bereich Kunst und Geschichte, Erarbeitung von Informationskonzepten mit Schwerpunkt audio-visuelle Medien nach. Den Spuren der Geschichte in unserem Alltag gilt eine ihrer Leidenschaften, der sie mit ihrem Blog „Denkmale“ nachgeht, angesiedelt beim Internet-Auftritt von „Spektrum der Wissenschaft“.

Landrat Christian Engelhardt vergibt den Stiftungspreis an Frau Dr. Eva Bambach. Dabei Prof. Dr. Karl Härter, 1. Vorsitzender der Stiftung